Aleksei Potapov neuer Abteilungsleiter und Cheftrainer Gerätturnen männlich
Aleksei Potapov hat zum Herbst 2025 die Nachfolge von Manfred Thumser als Abteilungsleiter und Cheftrainer Gerätturnen männlich angetreten. Volker Hohengarten hat mit ihm über das Gerätturnen, den Bonner TV und seine Pläne für die Zukunft gesprochen.
Toll, dass Du die Aufgaben als Abteilungsleiter und Cheftrainer übernommen hast. Hast Du früher selbst geturnt und turnst Du heute auch noch?
Aleksei: Kurze Antwort ist: Ja. Aktuell versuche ich etwa 8 Stunden die Woche zu trainieren. Ich möchte so lange wie möglich der goldenen Übungsleiterregel folgen: erklären – vormachen – nachmachen. Aufgrund alter Verletzungen und mangelnder vorheriger Beweglichkeit turne ich aber keine Elemente. Ich fokussiere mich auf Krafttraining, Dehnung, konditionelle Übungen für den Rumpf und relativ einfache spezifische Turnelemente. Dazu kommen Kardioübungen zur Aufrechterhaltung der Ausdauer.
Wie bist Du zum Turnen gekommen?
Aleksei: Das war die Idee meiner Zwillingschwester. Wir waren beide 7 Jahre alt, wir gingen beide schwimmen. Eine Akrobatiktrainerin kam in unsere Schule, erzählte von diesem tollen Sport und lud die Mädchen zu einer Probestunde ein. Wir gingen zusammen hin. Ich saß auf einer Bank und wartete auf meine Schwester, als ein Mann auf mich zukam. Es war ein Turntrainer. Er fragte mich, ob ich den Aufnahmetest für das Turnen machen wollte. Ich habe es mir zugetraut – mit Erfolg – und wurde in die Leistungsturngruppe eingeladen. So begann meine Turnreise.
Was hat Dich damals für das Turnen begeistert?
Aleksei: Ich glaube, für jedes Kind – und ich war da keine Ausnahme – sind erwachsene Turner so wie Batman: Der unterliegt weder der Schwerkraft noch den Gesetzen der Physik. Es ist erstaunlich. Und die Vorstellung, dass auch du das kannst, macht dich bereits zu einem Übermenschen.
Auch mein Vater war fasziniert von den Möglichkeiten des Turnens. Obwohl er kein Turner war, sondern Boxer, hat er verstanden, welcher Sport der beste war (lacht).
Hattest Du ein Lieblingsgerät?
Aleksei: An meiner Sportschule hat man gelehrt, dass der beste Turner derjenige ist, der an allen sechs Geräten gleichermaßen starke Leistungen zeigen kann. Aber natürlich hat jeder Mensch unterschiedliche genetische Veranlagungen und persönliche Vorlieben. Bei mir hängt die Frage nach dem Lieblingsgerät direkt mit der darauf verbrachten Zeit zusammen. Es liegt also alles in unseren Händen! Sogar ein «tückisches» Pauschenpferd kann für einen zum Lieblingsgerät werden.
Wie bist Du zum Bonner TV gekommen?
Aleksei: Meine Frau und ich suchten ein Turntraining für unseren älteren Sohn. Das fanden wir beim BTV. Und zum Glück wurden wir zu einem Probetraining für Kinder eingeladen. Auch ich bekam die Möglichkeit, ein Probetraining zu machen.
Und so kam es, dass ich 40 Jahre später wieder auf einer Bank in einer Sporthalle saß und wartete – dieses Mal auf meinen Sohn –, als Manfred auf mich zukam und mir anbot, es als Übungsleiter-Helfer zu versuchen. Somit schloss sich der Kreis! Dann gab es Trainerlehrgänge, eine Lizenzprüfung und viele Stunden hartes Training mit den Jungs.
Was bereitet Dir daran Freude, Trainer beim BTV zu sein?
Aleksei: Es gibt einen Witz – oder vielleicht eine Weisheit: „Wenn Sie es nicht können, führen Sie; wenn Sie nicht führen können, lehren Sie.“ Im Ernst – vor ein paar Jahren hätte ich mir diese Rolle nicht vorstellen können. Meine Mutter war Dozentin an der Universität, meine ältere Schwester ist Mathematiklehrerin. Das heißt, in meiner Familie hatte ich immer das Beispiel des Teilens von Wissen und Fähigkeiten mit anderen vor Augen. Ich selbst war viele Jahre lang auf Führungspositionen, aber es war immer eine Arbeit mit Erwachsenen. Mit der Geburt meiner Kinder habe ich über mich selbst reflektiert. Heute ist für mich der Lehrerberuf der wichtigste Beruf. Die Zukunft hängt davon ab, wie wir mit Kindern arbeiten, welches Wissen wir ihnen vermitteln und welches Vorbild wir für sie sind. Und als Trainer kann und will ich dabei mitwirken.
Welche Ziele hast Du als Cheftrainer?
Aleksei: Ich kann mich noch nicht als Cheftrainer identifizieren. Dafür fehlt mir die Erfahrung. Heute sehe ich mich eher als Abteilungsleiter. In unserer Abteilung gibt es hervorragende Spezialisten mit umfangreicher Trainererfahrung, es gibt hervorragende Turner, die auf hohem Niveau auftreten, es gibt motivierte Nachwuchsturner und Eltern und Freunde, die super engagiert sind und immer bereit sind zu helfen. Das ist die Stärke unserer Abteilung. Und ich sehe es als meine Aufgabe an, sie bei der Organisation des Trainingsprozesses zu unterstützen und ein integraler Bestandteil dieser Gemeinschaft zu sein. Und es ist super, dass ich in Manfred ein großartiges Vorbild habe, der für mich ein Lehrer ist, wie er sein sollte.
Vielen herzlichen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Dir viel Freude und viel Erfolg bei deiner weiteren Turnreise beim Bonner TV!
Foto: Siggi Eisenmenger
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